Polizeispitzel soll zu Mord an Dink angestiftet haben

Ein früherer Spitzel der türkischen Polizei soll laut neuen Aussagen eines Hauptverdächtigen im Mordfall des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink die treibende Kraft hinter dem Verbrechen gewesen sein.

jAN kEETMAN/ISTANBUL

Nach dem Mord an Hrant Dink möchte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan den Sicherheitsapparat «ausmisten», so weit es halt eben geht, wie er selbst einräumt. Das zu bekämpfende Phänomen wird in der Türkei unter dem Schlagwort «tiefer Staat» zusammengefasst.

Erdogan beschreibt den «tiefen Staat» so: «Eine Bandenbildung durch einen Teil der Angestellten des Staates, die sich von den Gesetzen gelöst haben und Werten dienen, die sie selbst als heilig erachten.» Diese heiligen Werte gehören zu zwei modernen türkischen Göttern, nämlich «Staat» und «Nation».

Etwas einseitig, aber nicht ganz falsch, diagnostiziert Erdogan das geistige Zentrum des «tiefen Staates» bei der Partei der Nationalen Aktivisten (MHP). Der Nationalismus der MHP sei der negative Nationalismus von «Betonköpfen» und zudem rassistisch, sagt Erdogan. Der MHP-Führer, Devlet Bahceli, attestiert Erdogan dafür einen «gefährlichen, klinischen Geisteszustand».

Der Mord an Hrant Dink hat indes deutlich vor Augen geführt, dass es ein Problem im türkischen Sicherheitsapparat gibt. Die Polizei hatte einen Informanten in jener Gruppe, die den Mord plante, und hatte bereits 11 Monate, bevor das Attentat ausgeführt wurde, davor gewarnt. Einige Monate später warnte ein entfernter Verwandter des Anführers der Gruppe, Yasin Hayal, die Gendarmerie, für die er ebenfalls als Informant arbeitete, erneut vor dem Komplott. Doch niemand kam auf die Idee, Hrant Dink zu warnen oder ihn unter Schutz zu stellen.

Den Täter Ogün Samast dann zu fangen, war ein Kinderspiel, denn schliesslich wusste man ja seit fast einem Jahr, wer den Mord plante. Hinzu kommt der Heldenempfang, der dem Täter dann bei der Polizei bereitet wurde. Mittlerweile sind verschiedene Videos aufgetaucht, die zeigen, wie die Polizei den Mörder feiert.

Erste Konsequenzen wurden nun gezogen. Der Gouverneur und der Polizeichef von Trabzon sowie der Chef der Nachrichtenabteilung der Istanbuler Polizei wurden entlassen. Gegen den Polizeichef von Istanbul, Cellalettin Cerrah, wird eine Voruntersuchung durchgeführt.

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