Anwohner fordern Druck auf Autohändler
Nach der Massenschlägerei zwischen rivalisierenden Autohändlern und Großfamilien am Freitag in Tempelhof hat die Polizei die Personalien von 171 Beteiligten aufgenommen. Anwohner klagen bereits seit Jahren über Lärm und Sachbeschädigungen und andere Belästigungen, die von den vier Automärkten ausgehen. Jetzt sollen die Ordnungsämter mehr kontrollieren.
Foto: AP
Polizisten fuehren am Freitag, 2. Nov. 2007, in Berlin auf dem Gelaende eines Autohandels einen Mann ab. Bei einer Massenschlaegerei in Berlin sind am Freitag sechs Menschen verletzt worden. Wie die Polizei berichtete, pruegelten sich rund 120 Personen aus zunaechst unerfindlichen Gruenden auf dem Gelaende eines Autohandels im Bezirk Neukoelln und auf der Strasse davor. Auch Steine flogen. Die Polizei rueckte mit insgesamt 180 Beamten an und riegelte das Gelaende ab. Sechs Leichtverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.(AP Photo/Michael Sohn) --- Police officers guide an arrested a man at a car dealer in Berlin, Germany, Friday, Nov. 2, 2007. (AP Photo/Michael Sohn)
Nach der Massenschlägerei zwischen rivalisierenden Autohändlern und Großfamilien am Freitag in Tempelhof fordern Politiker und Anwohner den Senat und die Bezirksämter zum Handeln auf. Der CDU-Abgeordnete Florian Graf sagte am Sonnabend: „Dringend notwendig ist eine konzertierte Aktion sämtlicher zuständiger Behörden. Den katastrophalen Zuständen im Umfeld der Automärkte in dem Gewerbegebiet muss endlich Einhalt geboten werden.“
Die Polizei musste am Freitag etwa 200 Beamte einsetzen, um den mit roher Gewalt ausgetragenen Konflikt auf dem Gelände eines Autohandels am Tempelhofer Weg zu beenden. Sechs Männer wurden festgenommen, ein Palästinenser sollte am Sonnabend wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung einem Haftrichter vorgeführt werden, sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt habe die Polizei die Personalien von 171 Beteiligten aufgenommen. In umfangreichen Ermittlungen sollen nun die Hintergründe der Auseinandersetzung aufgeklärt werden, bei denen insgesamt sechs Männer zumeist leichte Verletzungen erlitten hatten.
Anwohner des Gewerbegebiets an der Bezirksgrenze von Tempelhof-Schöneberg und Neukölln klagen bereits seit etwa drei Jahren über Lärm und Sachbeschädigungen und andere Belästigungen, die von den vier Automärkten ausgehen. Die Gebrauchtwagenhändler hatten sich in dem Gewerbegebiet entlang der Teilestraße und Tempelhofer Weg angesiedelt, nachdem der wild wuchernde Autohandel aus der Bautzener Straße in Schöneberg vertrieben wurde. Seither werden große Autotransporter häufig mitten in der Nacht bei laufenden Motoren be- und entladen. „Die Fahrer entladen ihren Müll in Vorgärten, urinieren an Hauswände. Abgemeldete Fahrzeuge ohne Kennzeichen nehmen den Anwohnern den Parkraum“, sagt ein Anwohner der Sachsenhausener Straße.
Dramatischer Niedergang des Viertels
„Das Wohnumfeld erlebt einen dramatischen Niedergang“, sagt Florian Graf, CDU-Kreisvorsitzender von Tempelhof-Schöneberg und seit 2006 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. „Die Bewohner der angrenzenden Straßen sind verzweifelt. Ihre Sorgen müssen ernst genommen werden“, sagt Graf. Es reiche nicht aus, wenn die Behörden entweder nicht reagieren oder Polizei und Ordnungsämter auf fehlendes Personal verweisen, so der Politiker weiter. Er fordert eine verstärkte Kontrolldichte der Ordnungsämter. Eine Durchfahrtsbeschränkung für Lkw könne die Lärm- und Parkplatzprobleme der Anwohner mindern. „Denkbar ist ferner, dass das Gewerberecht gewisse Auflagen für den Autohandel ermöglicht“, ergänzt Graf.
Abgemeldete Autos auf der Straße
Bislang zeigt sich die Verwaltung eher hilflos. Beispiel: Das für den Straßenverkehr zuständige Ordnungsamt fordert die Besitzer abgemeldeter Autos mit gelben Aufklebern auf der Windschutzscheibe auf, das illegal abgestellte Fahrzeug zu entfernen. Bevor das stadtweit für das Abschleppen solcher Pkw zuständige Ordnungsamt Lichtenberg endlich eingreift, ist der betreffende Wagen verschwunden. Er steht entweder auf einem der Händlerplätze oder wurde verkauft. Stattdessen steht ein anderer, nicht zugelassener Wagen am selben Platz. Das gleiche Spiel beginnt von vorn.
Claudia U., Anwohnerin der Rohdestraße, kann das zögerliche Vorgehen der Verwaltung nicht verstehen. „Andere Gewerbe werden mit zahllosen Auflagen überzogen. Die Autohändler machen, was sie wollen. Angeblich gebe es nicht einmal umweltschädliche Folgen durch die Altautos. Werden die Händler eigentlich auf illegale Beschäftigung überprüft?“, fragt die Hausbesitzerin, die zunehmend Mühe hat, solvente Mieter für ihre Wohnungen zu finden.
Hesperophobia (fear or hatred of the West).
Reageren